17.10.1985 Hitzacker will für das JZ bezahlen Was sagen die Aufsichtsbehörden? Ratssitzung mit jungem Publikum und Musik

Hitzacker will für das JZ bezahlen

Was sagen die Aufsichtsbehörden? Ratssitzung mit jungem Publikum und Musik

Hitzacker. Geschlossen hat sich Hitzackers Stadtrat hinter die Jugendfreizeitstätte gestellt. In der Sitzung am Dienstagabend fiel der einstimmige Beschluß, noch ungedeckte Personalkosten für den JZ-Leiter zu übernehmen. Doch Hitzacker ist hoch verschuldet; neue Ausgaben stoßen auf das Mißfallen der Aufsichtsbehörden. Der Rat mußte sich deshalb überlegen, wie er seine Entscheidung gegenüber Kreisverwaltung und Bezirksregierung vertreten will. Zahlreiche Jugendliche verfolgten die Diskussion über „ihren“ Treffpunkt und waren ein lebhaftes Publikum.

Wohl an die hundert Zuhörer füllten den viel zu kleinen Raum im Sportheim. Wer keinen Stuhl mehr gefunden hatte, hockte sich auf den Boden oder bezog einen Stehplatz. Transparente und Schilder verkündeten: „1985 – Jahr der Jugend – und wir sitzen auf der Straße“ oder, an Oberkreisdirektor Poggendorf gerichtet „Poggy, rück die Knete raus“

„Knete“ ist nötig, weil das Arbeitsamt das Gehalt für den pädagogischen Leiter der Freizeitstätte nur noch bis 31. Oktober übernimmt (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme). Ein Konzept des JZ- Trägervereins sieht vor: Stadt und Samtgemeinde erhöhen ihre Zuschüsse, so daß ab November 1986 ein Dauerarbeitsplatz finanziert werden kann. Nur mit dieser Perspektive könnte das Arbeitsamt für das Jahr dazwischen, von November 1985 bis Oktober 1986, noch vier Fünftel der Personalkosten übernehmen.

Das genannte Konzept schließt das Jugendzentrum Neu Darchau ein, wo eine AB-Maßnahme im kommenden Frühjahr ausläuft. Deshalb waren auch Jugendliche aus Neu Darchau bei der Ratssitsung.

Jedoch, die Bezirksregierung Lüneburg hat schon nein gesagt zu einem Antrag, der dem Jugendzentrum mehr Geld bringen würde wegen Hitzackers defizitärem Haushaltsplan.

Bürgermeister Christian Zühlke sah da während der Ratssitsung noch Spielraum. Die Stadt könnte sich um neue Einnahmen bemühen (im Gespräch ist eine Zweitwohnungssteuer) oder Haushaltsstellen kürzen. So würden die Aufsichtsbehörden sehen: Hitzacker will nicht einfach das Defizit durch neue Ausgaben vergrößern, sondern ist bereit, Opfer zu bringen.
Einstimmig nahmen die Ratsherren ein ganzes „Paket“ an: Sie billigten das Konzept des Trägervereins, sie beschlossen, die ungedeckten Personalkosten zu übernehmen, und damit die Aufsichtsbehörden diesen Beschluß nicht gleich kassieren, will die Stadt einen Brief aufsetzen und verhandeln. Bei den laufenden Haushaltsberatungen für 1986 wird man Landkreis und Bezirksregierung die Spar- oder Einnahmemöglichkeiten vortragen müssen.

Das Jugendzentrum in Lüchow brauche 215 000 DM, das in Dannenberg 180 000 DM öffentliche Gelder, führte Lothar Döring an. In Hitzacker jedoch werde die Kommune durch den JZ-Trägerverein nennenswert entlastet.
Darauf hatte auch schon Bürgermeister Zühlke hingewiesen:

Eine private Vereinigung habe eine Pflichtaufgabe der Kommune, die Jugendpflege, übernommen. Da sei es selbstverständlich, dass sich die Stadt finanziell engagiere – wie ja auch Zuschüsse an Kindergarten oder Sozialstation gehen.
Kurz unterbrochen wurde die Ratssitzung für den „Jugendzentrums-Rettungs-Blues“, einen Song mit Gitarrenbegleitung.

In der Bürgerfragestunde wurde ein Brief aus der Dannenberger Fachschule für Sozialpädagogik vorgelesen: Schülerinnen und Schüler von dort, die zum Programm des JZ Hitzacker beitragen, setzen sich ebenfalls für den Bestand der Freizeitstätte ein. Bürgermeister Zühlke: „Diese Unterschriften werden uns bei den Verhandlungen unterstützen“- genauso die, welche beim GalIusmarkt gesammelt wurden. -db->

Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 17.10.1985

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